Artu aus Padua - ein Jagdbeagle, der keine rechte Lust zum Jagen hatte

Artu war schon fast 2 Jahre im Basler Tierheim und ich beschloss, einen Weg zu suchen, um ihm zu helfen. Wider allen Erwartens bekamen wir den Hund, er war geimpft, gechippt, alles klappte - Paula brachte ihn mir über die Grenze und ich fuhr in Richtung Norden in sein neues Zuhause, was wir auch schon gefunden hatten. Artu war während der Fahrt ganz brav. Uns fiel bei der Übergabe lediglich auf, dass er einen Hang zu Objekten hatte und diese auch nicht mehr her gab. Seine Kiefer ließen einfach nicht los. Aber gut, man lacht und macht noch kleine Scherzchen. Lebe wohl Artu - etwas traurig wünschte ich ihm alles Gute. Ein schöner freundlicher Hund.

   

Nach ca. 3 Wochen schrieb ich folgenden Text

Vor ca. 2 Wochen haben wir Artu aus dem Tierheim Basel in sein neues Zuhause
bei Bonn gebracht. Ein lieber hübscher Kerl und ich weiß noch, dass wir hier
diskutierten, warum er wohl 2 Jahre dort im Tierheim saß.
Inzwischen stelle ich mir diese Frage nicht mehr...und ein böser Verdacht wurde
wahr. Wie ging es weiter:

Am nächsten Tag rief ich bei Frau P. an, wie die Nacht gelaufen sei und wie es
halt so gehe mit Artu. Traumhaft! Es sei soo ein lieber Hund. Er habe im Sessel
oben geschlafen. Sonnenschein. Sonnenschein. Am nächsten Tag blinkte mein AB...
mails wegen Artu waren im Postfach...
Claudia hatte von Frau P. einen Anruf bekommen: sie kreischte wohl nur noch am
Telefon, im Hintergrund bellte aufgeregt Artu. Also Artu habe sie gebissen und
ihren Dackel auch und der Hund müsse, natürlich wieder SOFORT!!!, weg. Betrug,
Verrat!!! "Sie haben das alles gewusst!!!!!!!!" O.K. Artu wurde also wieder
abgeholt, das Geld für ihn zurückgegeben. Er hätte eine Büchse aus dem Müll
geholt und sie wollte sie ihm wohl mit Gewalt wegnehmen, was er nicht richtig
fand. Gut, man wusste nicht so recht, was war. Es erschien seltsam, weil der
Hund bei uns so ruhig war - umgekehrt war mir klar, dass da mit dem Hund was
nicht stimmt, auch wenn man die Aufregung der Frau mal abzieht. Warum saß er 2
Jahre im Tierheim????????? War das doch die Antwort????
So, nun saß unser lieber Helfer also mit dem Hundje im Auto und wusste nicht,
was tun. Ich saß in Nürnberg und konnte ihn soo schnell einfach nicht holen. Er
musste am nächsten Tag verreisen. Irgendwie musste sehr schnell eine Lösung
gefunden werden.
Ihm fiel auf einmal jemand ein: eine Familie, die schon einen Laborbeaglerüden
und eine Jackiehündin hatten und schon länger einen 2. Beagle für ihren Rüden
gesucht hatten. "Guckt mal, ich hab eine Überraschung für euch" - stand er
unten an der Türe. Ohhhhhhhhhh, ist der süß! Na, der hat doch nicht gebissen.
Diese Frau P., die hat ja wohl alles falsch gemacht. Ach, ist er lieb. Und hat
gleich am ersten Tag mit den Hunden aus einer SChüssel gefressen. Ein
Traumhund. Sie wollten ihn behalten. Wunderbare entspannte Tage. Artu wurde
beim TA homöopathisch behandelt, Cortison und Augentropfen abgesetzt. Die
großen Leckekzeme dick eingeschmiert (er hatte 2 löcher in den Vorderpfoten und
hinten auch eine große Stelle, der Penis war blutig) - Artu erholte sich
schnell und sieht wohl prima aus. Am Anfang lachten wir noch bißchen, dass er
sich auf Fernbedienungen, Brillen und co spezialisierte. Sein Wunsch nach
mehr "Durchblick"? Ab Mittag ging es immer los und er suchte sich Gegenstände
zusammen. Beutetausch sagt man. Aber was, wenn der Hund nicht tauschen mag?
Wenn er mit der Brille vor einem steht und die Kiefer wie eine Schraubzwinge
geschlossen hat? Man probiert dann doch, es ihm wegzunehmen. Artu mag das
nicht. Artu macht Szenen vom Feinsten - ein Höllenkrach im Haus /Wohnung? -
Artu schnappt, Artu beißt - mehrfach am Tag.
Noch ein Tag - Artu tackert die Jackiehündin wegen einem Stofffetzen - 3 tiefe
Löcher im Hals, eine verstörte Hündin, ein zufriedener Artu - wieder Tierarzt -
ein Anruf, dass es wohl so nicht mehr geht. Artu scheint es zu merken und gibt
einen halten Tag Ruhe, lässt sogar den Mülleimer in Ruhe. Dann klingelt es,
Besuch. Artu will raus stürmen, der Mann hält ihn am Halsband zurück - Zack,
rum in den Arm (immerhin unblutig) - in der Küche wird ein Alu zusammengekehrt,
Artu will es haben, beißt wie Irre in den Besen..
Die Nachbarn fragen schon, was denn los ist, weil Artu so laute Szenen macht.
O.K. der Hund muss weg. Möglichst schnell.
Ich telefoniere mit ihnen und versuche, noch wenigstens das nächste Wochenende
zu erreichen. Ein Maulkorb wird gekauft. Artu beißt sich nun auch draußen mit
Hunden. Es herrscht völlige Hilflosigkeit angesichts dieser Probleme.
Unglaublich nette Leute, aber einfach in dieser Hinsicht komplett ohne
Werkzeugkoffer.
Die Frage, warum Artu 2 Jahre im Tierheim war, ist nun geklärt. Wie oft er dort
schon vermittelt und wieder zurückgekommen ist, wird wohl nie beantwortet
werden. Man wusste GAAAAAR nichts davon hmmmmmmm.... dumm, dass ich
keine "Großmutter" bin, der man das erzählen kann. Aber hilft ja nun auch
nichts.
Die Familie ist tapfer und hält durch. Wir versuchen, Lösungen zu finden, die
nicht so aussehen, dass ich ihn holen muss. Wir finden bisher keine adäquate
Lösung. Eine "normale" nett meinende Pflegestelle scheidet nun aus. Der Hund
muss nun richtig versorgt werden. Und es bleibt völlig offen, ob er es
überhaupt schafft. Ein Lichtblick ist nur, dass er in konkreten Situationen
beißt und dass die Bisstiefe noch nicht so tief ist (oder war es Zufall??) -
man muss damit rechnen, dass es auch tiefer sein kann.

Es sieht so aus, als ob ich heute oder morgen Artu hole. Wenn er Lärm in der
Wohnung macht, kann er nicht bleiben. Wenn er meine Mädels anfällt auch nicht -
wobei man da gut vorbeugen kann.

Wir konnten die Geschichte inzwischen ganz gut rekonstruieren - rein
hypothetisch: Artu kam aus Padua und wurde an einen Jäger im Norden Italiens
verkauft. Er wurde ja immer als so stur geschildert - ja, das war es
vermutlich. Er wird die Beute nicht hergegeben haben und war vermutlich auch in
der sonstigen Ausbildung nicht so devot, wie Jäger das gerne hätten. Die
Methoden, um ihn gefügig zu machen, lassen sich unschwer ausdenken. Artus Angst
vor Stöcken - wo sie wohl her kommt? Wie fest man wohl auf ihn eingeschlagen
hat? Er hat jedenfalls gelernt, den Kiefer auf komplett unbeweglich
einzustellen. Gewalt ist ihm egal, sie prallt an ihm ab oder er beißt halt zu.
Er hält da auch lange durch. Es ist ein Beagle. Artu wird fluchend irgendwo
abgegeben (Tierheim - Auffangstation??). Das Basler TH hat Kontakt nach Italien
und nimmt den hübschen Hund auf. Den kriegen wir schon vermittelt. Artu kam
nach Basel, wurde vermittelt, kam wieder zurück, wurde vermittelt, kam wieder
zurück. Artu kommt in die Außenstelle. Wird vermittelt kommt wieder
zurück...Resignation breitet sich aus... Man ist heil froh, dass sich jemand
dieses Hundes annimmt und verzichtet auch gerne aufs Geld. Nach Deutschland -
oh, hoffentlich kommt der nie mehr zurück!!!!!!!! Quasi: Hund abgeben und dann
verstecken sich alle Mitarbeiter und schließen das Tierheim zu...

Vor den Bissen hab ich weniger Sorge, da hatte ich schon bessere Kandidaten und
kam mit ihnen zurecht. DAS ist es nicht, aber ich habe Angst, dass er zu laut
für meine neue totenstille Wohnung ist. Umgekehrt hatte ich bei den anderen
Hunden auch so viele Sorgen und es ging dann doch - wer wagt gewinnt ist doch
mein Motto... Ich will nicht, dass er jetzt weiter herumgereicht wird.
Aber so allmählich geht mir das schon auf den Keks, ewig die versauten Hunde
von irgendwelchen Deppen (Massenzüchtern, überforderten Halter, jägern und co)
wieder vermittelbar zu machen.

Artu kommt nach Nürnberg

Freunde nahmen an meinem Schicksal Anteil: "Um Deine anhaltende Sucht nach dem "gewissen Thrill" auch in Zukunft (aber vielleicht weniger arbeitsaufwändig) befriedigen zu können, haben wir das ideale SPIEL für Dich gefunden.......

Funktioniert batteriebetrieben und nach Zufallsprinzip."

" e voila:

Ihr neues Kleidungsstück.

Vielleicht solltest Du gleich mehrere bestellen?"

 

Wie ging es weiter:
Ich hab mich am Abend hinter Mainz mit dem unermüdlichen Artu-Betreuer getroffen, er brachte mir Artu entgegen. Sie bogen zu unserem Treffpunkt ein und mir sofort auf, dass Artu total bellte. Das hatte er bei der ersten Aktion noch gar nicht gemacht. Er war abartig gestresst. Nochmal pieseln, ein kurzer Menschen-Schnack, Artu in den Kennel gelockt und auf gings nach Hause.
Ich bin irgendwie auch erleichert, dass ich ihn jetzt habe.
Das viele Bellen hatte mich nervös gemacht, weil er bei mir in der Wohnung eben nicht bellen darf. Einer der heikelsten Punkte in der ganzen Mission. Ob er mal im Auto sitzen bleibt? An der Tankstelle gab ich mir einen Ruck und wollte es ausprobieren. Lena blieb neben seinem Kennel. Während ich die Tür zuschlug ein Wuff - ich denk schon "sch..." dann war er aber still. Ein hilfreicher Kommentar eines Vorbeigehenden, ich solle doch das Fenster aufmachen (ca. 14 Grad bei Dunkelheit) - gut, wenn man immer weiß, was zu tun ist... Ich kam nach ca. 10 min. zurück, alles still. Super - immerhin, da scheint was zu klappen.
Zuhause wurde es dann sehr schön... soo gestresst war/ist er. Meine Güte. Der muss diese letzte Woche schon ziemlich gestresst gewesen sein - vielleicht hat er auch deswegen so oft zugebissen. wissen die Götter warum. Fiep, Fiep, fiep - ein Gezerre an der Leine - alle Abläufe werden so grässlich. Body Block klappt prima - Abfalleimer gibt es bei mir nicht am Boden, Küchenplatte ist leer - och, wie öde!! Hundenäpfe seeehr leer, da war Coffey schon dran... auch öde.. Fiep fiep hechel... ob er wohl die Nacht still sein wird????? Kurz drauf, um halb 12 nachts in totenstillem Haus fing er auf einmal an zu bellen - o.k. Wasser mag er nicht, er hört auf zu bellen ohne Konfrontation - irgendwann fiel er dann wie ein kleines Kind ganz plötzlich in den Schlaf und schnorchelte so vor sich hin. Die Wasserflasche neben mir schlief ich irgendwann auch ein. 6 Uhr ist Artu wach - toll... doch er legt sich wieder hin - erste Nacht geschafft - schlimmste Stressphase schon rum :-)
Aufstehen - wieder jeder Gang mit Artu neben mir. Etwas besser aber als nachts. Das Programm NILIF wurde gestartet. Er ist gewohnt, dass er einfach macht, was er will. Störrisch wie ein Esel - man kann ihn 40x von was abhalten, da tut er so, als hätte man es noch nie gesagt... er toppt noch meine Coffey .

So, erstmal Gassi - Kennel - nein. Ich weiß jetzt, dass das Futter nur ein Lockmittel ist. DA gehe ich jetzt nicht rein!!!! hmmm.... gut, keine Konfrontationen heißt es. Fahren wir halt so das Stück in den Wald. Gassi im Wald prima. Artu zerrt wie ein Stier, hört auch nicht auf - ich muss mir Lederhandschuhe kaufen. Coffey und Lena wollen ihr gewohntes Training machen - sind frustriert, weil ich nicht kann. Gut, dann suchen wir halt Hasen...

Inzwischen hat Artu leider mit Hunden Probleme. Er führt sich auf wie die Sau, schreit herum, zerrt. Es ist wirklich nicht schön. Wir waren lange unterwegs. So und jetzt wieder an der Hundehaarzählerin im Erdgeschoss vorbei -kehren geht im Moment leider nicht - und hoch in die Wohnung. Hundefutter machen. Ich dachte, jetzt geht das Theater los. Aber nein, er saß nur da und wartete ohne Geschrei. Die Küchenplattenkontrolle kam, aber da war halt wieder nichts. öde, sinnlos, da kann man dann auch gleich unten bleiben. Artu bekommt sein Fleisch aus der Hand mit Sitz - kein Problem - er nimmt es ausgesprochen vorsichtig, was mich überrascht. Ich haben den Eindruck, als ob er anfängt, die Beagles in der Wohnung mit Blicken zu verfolgen. Artu kommt auf seinen Platz, angeleint. Er schaut nicht gut und ich passe auf, dass keine meiner Mädels in seine Nähe kommt. Ich kann zum ersten Mal aus dem Zimmer gehen, ohne dass er anfangen würde zu bellen :-))) Artu schläft. Artu lächelt sogar im Schlaf.

Manchmal hat man keine guten Zeiten... oh je...
Lassen wir Artu mal schlafen...

Die roten Augen gefallen mir gar nicht, aber Artu ist so gestresst, dass ich erstmal warte. Erinnert mich so an Paulemann mit seinen Graf Dracula-Augen!

Er denkt nach...

Er denkt nach... entspannt sich bißchen

rollt sich zusammen und schläft :-))))

Und ich denke an die Schlange Ka aus "Dschungelbuch" ;-)

Artu lächelt im Schlaf, ist aber durch die Digi leider aufgewacht und die Lefze wieder bißchen zurückgegangen..
Das Körbchen ist NICHT zu klein, er möchte so liegen!!!

 

Der dritte Tag

Bisher hatte Artu in beiden Pflegestellen ca. nach 24 Stunden gebissen. Daher war für mich der 2. Tag sehr wichtig. Was würde wohl passieren? Es ist nichts passiert und auch heute am dritten Tag ist nichts passiert. Wir waren früh spazieren, haben bißchen geclickert - welche Hand willst du mag er sehr, man sieht so richtig, wie er dann immer denkt 'ei ich habs raus, es klappt - nochmal?' und dann auch viel beim Laufen, dass ich seinen Namen rufe und er zurück schaut. Es ist der dritte Tag und die Leine hängt nun oft auch locker durch :-) Ich denke, er würde nicht mehr weg laufen.

Es gab viel zu lernen für ihn: Hundekontakte, immer wieder rund ums Tierheim, wo lauter Hunde herum laufen, Hundeschule - einfach da nur sitzen und schauen - Aufmerksamkeit, Auto und alleine bleiben, alleine im Zimmer bleiben und mich nur hören (das geht nicht lange...), rohes Fleisch fressen (bist du sicher, dass man das essen sollte?????), nicht bellen im Haus, schlafen, wenn Frauchen am Computer sitzt, liegen bleiben, wenn Frauchen aufsteht, warten, wenn die anderen Beagles trainieren und und und... lauter Kleinigkeiten, aber so über den Tag ganz schön anstrengend.

Nachmittags wurde er die letzten Tage komisch - er wurde steif und so, dass ich ihn lieber in Ruhe ließ. Ich lasse ihn überhaupt viel in Ruhe. Heute nachmittag war es meine ich etwas besser.

2. Tag am Morgen

3. Tag am Morgen - nicht mehr zusammen gerollt

Vorhin waren wir in meinem Laden und haben so zusammen geräumt - ich hatte Artu mitgenommen, angebunden und ihm eine Liegematte hin (hab ja genug). Nach vielleicht einer halben Stunde haben wir so rüber geschaut - da saß er, völlig zusammengesunken, schlaff, einfach nur todmüde, aber entspannt und sicher in seiner Ecke. Eine Müdigkeit im Körper und Blick, die nicht nur vom Tag kam. Es war wirklich ergreifend: in seinem Blick lag die Erschöpfung von langer Zeit. Wir hatten beide das Gefühl, dass er endlich, endlich, nach Ewigkeiten (vielleicht seit 6 Jahren) zur Ruhe gekommen war.

Der vierte Tag

Tag 4: Guten Morgen Artu!

auf gehts zum Spaziergang - Lena (links) ist nun läufig...

In der Abendsonne

 

Artu hat immer noch keinerlei Anstalten zum Beißen gemacht. Lief heute über weite Teile frei mit Schleppleine und passt neuerdings auf, was ich mache. Es ist, als sei es ein anderer Hund. Kommt, wenn ich rufe, ist aufmerksam, wartet... Wir kommen gut miteinander zurecht. Nur mit Lena, das könnte noch schwierig werden. Er dockt schon seehr an... und heute haben wir Tag 1...

Nach einer Woche

Heute war ein anstrengender Tag für uns alle... für mich, weil er schon nervig ist + irgendwie stumpf wie ein Esel (also jedenfalls nach Sprichwort) - das Hundeangemache unterwegs kann ich so gar nich leiden - auch aus dem Auto raus schreit er bei jedem Hund - zerrt weiterhin, dass mir manchmal die Arme wirklich weh tun und dazu noch die läufige Lena (irgendwie schlägt bei ihm die Kastration noch nicht so richtig durch). naja, think positiv... er muss es halt lernen...
Artu musste/durfte heute morgen erstmal Fuß laufen üben - eigntlich... wollte ich es mit Shaping machen, ach, aber dann hatte ich keinen nerv mehr, endlos zu warten und habs halt doch gelockt. Mit Erfolg, aber noch lange zu üben. Später durfte er heute zum ersten Mal frei laufen. Das macht er sehr gut. ich vermute fast, dass er noch nie in seinem Leben ohne Leine laufen durfte (draußen) - erst waren wir ein bißchen im Wald - aber läufige Lena + schwieriger Artu macht nicht richtig Spaß - und so bin ich noch extra auf eine große übersichtliche Hundewiese mit ihm gefahren. Lena ins Auto, na und dann mal gucken, was er so macht. Weg war er galopp galopp - ob er die anderen Hunde wohl beißt??? Da war so ein kleiner Welpe... rennt er weg???? Die Momente sind finde ich immer recht stressig - nein, er ließ die Hunde in Ruhe, will aber gerne aufreiten. Nach ca. 10 Minuten Freiheit erinnerte er sich dann auch an uns und kam wieder zurück. Wir haben bißchen geclickert, dann kamen wieder Leute mit Hunden - ein junger Jackie wurde dauergemoppt und keiner der Leute guckte mal hin - toll... als Artu dann auch noch anfangen wollte "oh, was sind wir alle stark!!!!" hab ich ihn geholt und mich verabschiedet. sie verstanden alle gar nicht, warum ich sie nicht weiter "spielen" lasse... Aber alles in allem klappt es gut und ich konnte auch schön weiter die Fußposition üben. Jetzt fing er auch an, sie von sich aus aufzusuchen.
Und weil das Üben so schön ist und ich heute gute Nerven habe, gings gleich noch weiter hier: Sitz vor dem Futter, bis es steht. hat locker 20-30 Anläufe gedauert, bis er nicht mehr hochgesprungen ist und dann saß. Panzerschrank traf auf Panzerschrank ;-) Ignorieren ist ein geniales Mittel - vielleicht das genialste überhaupt.
so, und jetzt schläft er - wen wunderts - Beißversuche gab es übrigens weiterhin überhaupt keine. Aber vermitteln kann man ihn so auch nicht. Ihm fehlt irgendwie so alles, was man von einem Haushund erwartet - war sicher ein Zwingerhund.

Ach, übrigens die Sache mit dem Jagdhund... ich glaub, das ist ein Ammenmärchen. Mir fällt schon die ganze Zeit auf, dass er so überhaupt keine Spuren aufnimmt im Wald. Gestern abend war ich nochmal draußen und meine Beagles gingen an der Leine ab wie der Henker, weil überall Spuren waren. Artu watschelte nebenher. Kopf oben. Selbst als meine Spurlaut gaben und ekstatisch in der Leine hingen, kapierte er überhaupt nicht, um was es ging und pieselte mal... DAS ein Jagdhund??? Not good for hunting stand auf dem Zettel - entweder jagt er überhaupt nicht oder man hat es auch nie probiert und diesen Grund nur vorgeschoben. Ich vermute, dass er im Zwinger gelebt hat.

10. Tag

Der Tag fing nicht gut an. Lena hatte Schmerzen in der Vorderhand und ich natürlich keine Ahnung, warum. Sie lief herum wie ein Häufchen Elend und ich beschloss, mit ihr nur wenig zu laufen und erst mal abzuwarten. Wir sind in den Wald, wo sehr viele kleine Sandwege durcheinander laufen und ich ließ Artu von der Leine. Die Tassomarke war dran und es konnte von der Wahrscheinlichkeit her eher nichts passieren. Nach kurzer Zeit war Artu weg. Wir sind entgegengesetzt gelaufen (quo vadis...) und haben uns leicht versteckt. Da kam er wieder angeprescht... naja.. der hat ne ziemlich schlechte Kondition. Kam an, als wäre er kilometerweit gerannt - im Hoppelgalopp. Dann kam die Schnauzerhündin Susi - der raste er dann irgendwann hinterher - wir wieder Richtungswechsel - Artu weg - länger weg.... hmmm.... immer noch weg... ich geh Richtung Auto... kein Artu - Stille - o.k. wir warten einfach mal. So nach 10 Min. kam er dann misstrauisch - hats wohl früher abgekriegt, wenn er zurück kam. Er ist danach noch viele Male vorgebrettert ohne zu schauen und wir sind jedesmal genau entgegengesetzt gegangen. Und zunehmend hat er mehr aufgepasst. Schön ist, dass er die Abbiegungen findet, wo wir in einen Seitenweg sind, d.h. er wird uns auch eher finden, wenn er mal wirklich weg ist. Dieses Training ist nach wie vor nervenaufreibend, aber letztlich trotzdem sehr hilfreich. Er lernt, dass er auch selber für sich verantwortlich ist und aufpassen muss. Danach war er recht müde und wir konnten schön Fußlaufen üben...und dann Platz versuchen... jeden Trick ausprobiert, das Tier legt sich nicht hin - auch nicht nach längerer Zeit - irgendwann konnte ICH dann nicht mehr in der Hocke bleiben. Gut, ich probiere es mal nach Lind: mich auf den Siffboden gesetzt und Beutenspielchen unter meinen Beinen gemacht. Artu fiept, Artu kratzt, Artu legt sich EINMAL hin. Das wars dann aber auch.

Während des Turniers hab ich das einer Trainerin erzählt und sie kam ganz motiviert, um mir zu zeigen, wie ich es üben müsse - Artu steht... Artu steht - neuer Trick von Trainerin - Artu steht. Oh, der ist aber hartnäckig...normalerweise klappt es so... ja, sag ich, das dachte ich auch. Werde wohl im Bad mal üben müssen und es shapen. Ja, gute Idee. Artu fands wohl erotisch und er begann, wie bekloppt an ihr herumzurammeln - sie bekam ihn gar nicht mehr los -sich wegdrehen, schimpfen, schieben - alles umsonst, Artu hing, wenn ich ihn nicht zurück hielt, wie ein Stier an ihr dran. Obs der Stress von den kurzen Übungen war??? "So, jetzt aber eine andere Hundebesitzerin- ganz aufgeregt: das ist ja EKLIG!!!! Ein dominanter Hund!!!! Hast du deine Periode??? Ih, ist das eklig. Wenn du nicht deine Periode hast, ist das Dominanzverhalten. Das würde ich mir nicht bieten lassen." Arme Trainerin übt weiter mit Wegdrehen und Schimpfen und Schieben... o.k. ich halt ihn nun endgültig fest, stresst ihn ja nur rein. "Ach, jetzt will ich aber doch wissen, ob er das bei mir auch macht!" meinte die Hundehalterin. Nein, er macht es bei ihr nicht. "Vielleicht, weil ich einen großen Hund habe" - "Ich habe auch einen großen Hund, meinte die Trainerin"- Ratlosigkeit. Wir gehen zum Auto.

War nicht so richtig leicht, von oben zu fotografieren - aber Puschel geht bei Fuß!!! Das war das Tagewerk von heute.

Da mir das Geröhre bei anderen Hunden nun wirklich auf den Keks geht, war auch das Programmpunkt von heute - erstmal eine ganze Weile am Rand von einem Hundeturnier - DA, wenn so viele Hunde da sind, ist es ihm egal. Also gut, abends nochmal zum Parkplatz, wo es zur Hundewiese geht. Hab mich da hingesetzt und dann kamen sie... 2 sehr lebendige Hunde...

Im Grunde spräche nichts! dagegen,
mal zu stänkern...

ein kleiner Wuffi - was Artu aber nicht weniger
ätzend findet ...

... ich hörte zu erst einen Schrei der Leute:
"Bleeeeeib!!!!!" - oh, dachte ich, das wird eine
Herausforderung! Schon mal die Hand voll
Leckerchen gemacht...

Parallel kommt von der anderen Seite ein
kleiner Schreier... mit eingebautem Rückstoß...

und mein Artu sitzt und sitzt und sitzt :-)))
Mich erinnert er sehr an die eine Erzählung von
Suzanne Clothier, die beschrieb, wie sie auch
mit so einem aufgeregten Schreier gearbeitet
hat. Irgendwann fiel bei ihm der Groschen und
er schaute sie so an: "ach, du meinst, ich soll NUR
Sitz machen???" Saß und hat es nie mehr vergessen.
Letztlich schont es auch die Nerven des Hundes.

o.k. der Frieden war teuer erkauft...

in den Hundepausen haben wir gleich mal bißchen
Obedience geübt :-)

er schaute dem Hund noch nach - doch dann wendete
er wieder, um sich einen Chip zu holen. Bingo!

 

11. Tag - ich bin platt!

Gut, ich hab gestern viel geübt, aber dass es soo anschlägt hätte ich nie gedacht! Artu hat bei keinem Hund mehr gebellt, ließ sich problemlos abrufen. einmal kam eine Richbackmeute (toll...), er war freundlich, wollte dann erst hinterher rennen und ließ sich aber abrufen - wow!!!!!!!!!! Blieb bei mir. Noch ein paar Hundekontakte, aber immer schön nach mir geschaut, zurück an Hunden vorbei, nichts. Als hätte er sich noch nie aufgeregt - gut, weiter alles mit Bestechung, klar.

Dann hat er das Fußlaufen kapiert - zweimal ist er über eine lange Strecke an lockerer Leine neben mir gelaufen (viele Chipps natürlich!) und hat sich auch korrigiert, wenn er zu weit vorne war. Er schaut schön zurück, wenn er vor trabt - allerdings, als er eine Spur hatte, wurde es kritisch -und da kommt noch ein anderes Spiel von ihm rein, er will sich dann nicht mehr fangen lassen...

Vorhin hab ich ihn noch angebunden und mit Coffey gearbeitet. Prima lief alles, bis der große Retrieverrüde um die Ecke kam.. mit der typischen Halterin, der tut doch nichts... ich fütter Artu, Retriever kommt natürlich so dicht mit seiner Brust (eine Retrieverspezialität, keinen Raum zu lassen), dass es für Artu unangenehm wird. Ich hab ihm die Wienerle weiter reingeschoben und konnte den Rüden abdrängen. Bis die Frau den Hund geholt hat, ging viel Zeit rum - war ja auch nicht nötig, denn, wie sie mir erzählte, würde "normalerweise" da nichts passieren. Ja dann...Das ist ein einleuchtendes Argument. Gerade so unmittelbar auch bei Tierheim, wo ja lauter "normale" Hunde rum sitzen und man nie auf die Idee kommen könnte, den Rüden vielleicht unter Kontrolle zu bringen... Schade, dass nicht der Tackermaxe da saß... Aber trotzdem Artu hat brav dagesessen und die Leckerchen genommen. Unglaublich - wenn ich noch denke, wie er sich gestern mittag aufgeführt hat.

see you later...

Ja, wo bleibt Frauchen denn???

Leckerchen? Mal gucken... klar, Lena wieder nicht..

 

 

12. Tag

Artu ist auch heute still, wenn wir an Hunden vorbei kommen. Sogar, wenn sie am Auto vorbei kommen, schreit er nicht mehr herum. Wunder wunder!

Am meisten hat mich heute gefreut, dass er heute im Wald ein paarmal mit Coffey den Weg entlang galoppiert ist (schade, ich hatte die Kamera nicht dabei)- beide parallel mit einem gemeinsamen Stock zwischen den Zähnen und viel Motorgeräusch. Artu hatte am Anfang bißchen Angst, aber allmählich kapiert er das Spiel - Coffey hält ihm geduldigst immer wieder das lange Ende von Stock hin und bewegt es zwar bißchen, aber genau in der Geschwindigkeit, dass er zupacken kann. WENN er das tut, dann geht die Luzie aber ab :-))) Und später preschten die beiden begeistert über die Sportplatzwiese - wie junge Hunde - Artu rannte auf einmal, dass die "Reifen" in den Kurven quietschten - jagte im Kreis, dann wieder zu Coffey, die spielt gerne bißchen Hase - er macht sie nicht platt und dadurch macht es auch ihr Spaß. Als sie nicht mehr konnte, zwickte er sie so ganz vorsichtig in den Hinterlauf und das Ohr "ei, Coffey, komm, wir laufen noch ne Runde!" Aber sie konnte wohl nicht mehr.

Den Spaziergang ist er fast durchgängig ohne Leine mit gegangen und hat schön aufgepasst, wo wir sind. Zwischendurch merkt man so richtig, wie er auf einmal sein Leben genießt - kurze Momente und dann wieder der gewohnte Flexileinenhoppelgang.

 

 

12.bis 16.Tag

Mir fiel es an dem ersten Tag ganz unterschwellig auf. Früh gab ihm mein Kollege in der Uni einen leeren Joghurtbecher (was ich schon nicht so mag, wenn Artu Privilegien bekommt) - und irgendwie kam er mir dann mit dem Becher komisch vor, aber ich konnte ihn nehmen und dann wegwerfen, bevor er splittert. Gut, nicht viel dabei gedacht. Mittags meinte Ela (meine Hilfskraft im Zimmer), Artu habe so rote Augen. Ja, das fiel mir auch auf - aber mei, wenn man sich da immer aufregt...
Nachmittags schleppte Artu einen leeren Plastikbecher in sein Körbchen. naja, dachte ich, viel Spaß damit, ist eh nichts mehr drin - er guckte bißchen streng und ich ließ ihn einfach liegen mit dem blöden Ding. Coffey und Lena durften nicht in seine Nähe.
Abends nahm Coffey von der Straße einen Socken mit hoch. Ich übte "nimms mit" - sie trug ihn in die Wohnung und ließ ihn da fallen. Wir gingen in die Küche, um ein Leckerchen zu holen und seh kurz drauf Artu mit dem Socken im Maul.
Ich wollte mal so gucken, wie es jetzt läuft - ob man ihn nehmen kann oder nicht - wollte es mit Beutetausch probieren. Artu hat gesehen, dass ich es probieren will und wurde auf einmal zum Amokläufer, der durchdreht, wenn man nur noch eine einzige Bewegung macht. Seine Augen wurden immer röter, er erstarrte und saß völlig durchgeknallt vor dem Socken. O.k. dachte ich, DAS ist es nun also. Coffey und Lena gesichert im anderen Teil der Küche.


Dann hab ich mich langsam im Abstand von vielleicht einem halben Meter auf den Boden gesetzt - um nachzudenken, was ich mache - um abzuwarten... Artu saß weiter versteinert. Ich beschloss auf ein Alternativverhalten zu warten, was ich clickern kann, so dass er aus der Starre raus kommt. Nach so 10 Minuten schnaufte er etwas durch. Nach vielleicht 15 Minuten der Langeweile legte er sich hin. Click und ein Leckerchen geworfen. Artu stand sofort auf, war hin und her gerissen - beschloss aber, das Leckerchen nicht zu holen, sondern lieber weiter den Strumpf zu bewachen. Na gut, Artu, ich hab Zeit. Weiter gewartet, bis er wieder liegt. Zum 2. Mal ein tieferes Seufzen. Irgendwann wieder Platz. click und Leckerchen, diesmal bißchen näher. Artu holts und will nun auch das zweite Leckerchen suchen. Ne, dachte ich, das kriegste jetzt nicht. Hab ihn zurück zu seinem Socken gerufen. DAS hat ihn irritiert! Er wollte jetzt das Leckerchen suchen.
Nun war er weicher und ich konnte mit ihm ein paar kleine Spiele "welche Hand willst du" und so machen und ihn schließlich vom blöden Socken weg führen.

 

Nächster Tag Uni:
So gegen Mittag schau ich vom Schreibtisch runter auf meinen Schatz -ach toll, er hat meinen Leitz-Locher. Kurz überlegt, ob ich ihn ihm lasse - ne, dachte ich, das geht jetzt irgendwie nicht. Er sieht meinen Blick, rüstet sich sofort. Ich mach vorsichtig die Leine los, mit der er am Schreibtisch angeknotet ist, und will ihn weg führen. Ela meint noch leicht spöttisch von gegenüber "na, willste wohl deinen Locher wieder haben??? grins" - in dem Moment, wo ich an der Leine ziehe, geht die party los. Artu tobt, nimmt den Locher noch ein Stück mit, lässt ihn wieder los - ich ziehe mit einem kleinen Ruck, damit ich ihn endlich vom Locher los kriege - Artu heult/knurrt/faucht quasi und beißt nun in alle Richtungen - auch Richtung Leinenende. Super party in der Uni. Der Behinderte in meinem Zimmer sitzt mit offenem Mund da (um später gleich in der ganzen Abteilung rum zu erzählen, was er erlebt hat). Coffey kommt aufgeregt, wird gerade noch von Ela abgelenkt, Artu tobt und tobt - ich halte ihn ständig mit gestrecktem Arm von mir und bewege mich langsam Richtung Türe. Irgendwann wars dann vorbei und ich konnte ihn raus tun.

So, seitdem versuche ich vor allem, ihn nicht mehr an Sachen ran kommen zu lassen. Mir ist immer noch nicht ganz klar, wie ich damit am besten umgehe. Das problem ist, dass er sich nur so aufführt, wenn er irgendetwas findet und dann meint, das gehöre ihm. Zum Üben nimmt er aber NICHTS ins Maul. Seit drei Tagen übe ich nun mit ihm "nimms" - über ein Futtersäckchen (Holznippel + Textil + guter Geruch, aber doch nicht zuu attraktiv, weil nichts drin ist). Erst stupps und heute zum ersten Mal nach vielen vielen Leckerchen (er muss sein Abendessen abarbeiten) nahm er das Teil dann ins Maul und gabs für die Chipps auch wieder her. Ich hatte ihn sicherheitshalber angebunden, so dass er keine Option offen hatte, mich zu bedrängen. Entweder Arbeit am Beutel oder es gibt halt nix. Zähneknirschend hat er dann mitgemacht. Mein Ziel ist: "nimms" und danach "gibs mir" und danach "brings" und "gibs mir"

Irgendwie wirkte er bei seinen Attacken zugleich hilflos - so, als flutet da etwas über ihm zusammen und er kann sich nicht helfen. Das ist kein normales Ressourcenbewachen - irgendwas stimmt da nicht. Muss eine ganz alte traumatische Geschichte sein, die da ausgelöst wird und ich vermute, dass das mit seiner Zeit als "Jagdhund" zusammen hängt. Ob man ihm das "Nimms" ausgetrieben hat??? oder mit Gewalt beibringen wollte?
Auch das Geknurre klang irgendwie zum Teil eher kläglich und erinnerte mich an den Paulemann, wenn er ganz verzweifelt war. Houhouhou heulte er immer. Stress, Angst, Hilflosigkeit.
Ich versuche weiter, mit ihm Spiele zu machen, wo er sieht, dass es auch zusammenn geht - die Brettspiele, die Leckerchenmaschine - ich helfe ihm, halte die Spiele, fülle Leckerchen ein und er kriegt natürlich alle Leckerchen :-) Die Spiele macht er sehr gerne. Zwischendurch fällt er dann zusammen und tut gar nichts mehr. Sitzt und guckt und weiß nicht mehr, dass ER etwas tun kann. Ich warte dann einfach, bis er wieder weiter macht. Wie bei Paul glaube ich, dass die Lösung sein wird, ihm zu zeigen, dass er sich auch anders helfen kann. Dass man ihm auch nichts mehr tut. Dass man zusammen noch stärker sein kann.
Ob das alles aufgeht wird sich zeigen.
Wir üben auch draußen viel. Viel Hundekontakte - liegen in Cafés ohne sich aufzuregen, wenn jemand/oder Hund rein kommt, Rückruf draußen, Fuß laufen, Blickkontakt. Ich versuche, ihn viel laufen zu lassen, damit er bißchen Muskeln kriegt. Leider spielt er gerne "fang mich doch" - das ist in manchen Situationen nicht so der Hit...Trotzdem, draußen läuft alles sehr gut. Drin muss ich weiter gut aufpassen..

Ende September :

Nicht so, dass wir nichts tun! Artu kann jetzt schon Platz mit Bestechung. Nach wie vor mag er die Übung nicht so gerne machen - man kann sich denken, was früher passiert ist...

Artu übt auch weiter das Fuß laufen.

... Zeit, mal bißchen neben Gartenzäunen zu laufen...aber immerhin, er ist neben mir.

Damit wir auch noch ein scharfes Bild kriegen, haben wir dann mal getauscht :-)) huhu Melanie :-)))

 

Das übliche Spielchen... da sitzt er nun schon ca. eine halbe Stunde - würde eigentlich gerne ins Körbchen gehen, aber kann einfach nicht weg vom Schuh. Dummerweise habe ich jetzt das Spiel anders definiert. Er darf sich nicht hinlegen und MUSS den Schuh bewachen. Das bringt ihn nun in eine dumme Situation. Mal sehen, wann es ihm langweilig wird ;-) ich hab zu tun hier am Rechner...

Mitte Oktober

Artu und seine Freundin Coffey

Dieses Bild gehört inhaltlich zum Bild drunter! Marietta war kreativ :-)

Sie meinte neulich schon so komisch, dass sie eine Idee hätte, wie Artu doch bei mir bleiben könnte...

 

... sie will mir nämlich immer die kleine Lena abluchsen :-)

Er hats raus - gibts mir sogar meistens in die Hand. Manchmal schielt er dann wieder komisch und ich vermute, dass er überlegt, ob er mich beißen soll, aber bisher konnte ich ihn überzeugen, dass er es sowieso gleich wieder bekommt und er nur kurz dazwischen eine Wienerwurst essen muss.

 

Ende Oktober:

Ein schönes Spiel: Ein Leckerchen wird für Artu vergraben. Artu geht hin und guckt auf den Sand - Coffey geht auch hin und gräbt es gleich aus -
Artu bleibt stehen und guckt auf den Sand -
Coffey bleibt auch stehen und schluckt es runter.
Lena guckt zwischendurch ganz falsch...

Er bleibt liegen :-)))

 

 

Um beim Kampf mit seinen Zähnchen weiter zu kommen, wird weiterhin "aus" geübt. Das sind blöde Übungen für mich - weiß mans, wann er schlechte Stimmung kriegt und zu beißt?...

 

An kalten und dunklen Herbsttagen ist es gut, dass es Hundespiele gibt. Es fing so harmonisch an...

Das ist das Brettspiel von
www.dog-intelligenz.de
Wird sehr gerne gespielt. Eigentlich war es Artus Spiel, aber Coffey meinte, dass es zu zweit doch viel mehr Spaß macht - hmmm... die Frage, wie viele Türchen dann noch Artu aufmachen kann, erübrigt sich... aber er bekam noch ein Spiel alleine (nach dem Foto).

 

Natürlich durfte auch Lena eine Runde spielen. Artu sollte es eigentlich wissen, dass Lena seine Nähe nicht mag. Hat sie ihm schon öfter unmissverständlich mitgeteilt. Er kam ans Brett und wollte mitschnuffeln. Zack - sehr plötzlich kam eine deutliche Ansage. Nicht, dass er nun einfach gegangen wäre, nein, er fing nun einen Beißerei an -schrie dazu abartig (in meinem stillen Haus nachts...) - gottseidank ging alles gut aus.

Um keine schlechten Erinnerungen an den lustigen Spieleabend zu hinterlassen, hab ich doch noch weiter gemacht und die Dogbox raus geholt (die wiederum gibts bei www.pet-pillow.de). Der Hund soll einen Ball in das Loch werfen. Auch das machen die Hunde meist sehr gerne. Artu kapierts leider noch gar nicht - deswegen erstmal ein Bild von Coffey (wird dann später ausgetauscht!)

Anfang Dezember

Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass es allmählich Zeit wird, Artu in ein neues Zuhause zu bringen. Bei ihm war ich hin- und hergerissen, ob ich ihn nicht doch behalten soll, aber der Gedanke, keinen Nothund mehr nehmen zu können, wenn Artu bleibt, ließ mich Abschied nehmen.

So tippte ich mal wieder ein Geschichte für die Vermittlungsseite und dachte, dass es, egal, wie es kommt, gut ist.

Artu, ein kleiner Eisbär mit dem Wunsch nach Durchblick

Seit ungefähr drei Monaten lebt Artu nun schon wieder in der jetzigen Pflegestelle und allmählich wird es Zeit, voneinander Abschied zu nehmen.

Artu ist ein 6 Jahre alter kastrierter Rüde, der ursprünglich bei einem Jäger in Rovereto (Italien) lebte (na, wenn es stimmt...) und von diesem wegen angeblicher Jagduntauglichkeit im Tierheim abgegeben wurde. Von dort kam er in das Tierheim Basel, das ihn fast zwei Jahre nicht vermitteln konnte, weil der Hund zu schwierig war. Helfer der Beaglefreunde holten ihn dort endlich ab und sahen die Löcher in seiner Haut, die er sich in seiner Verzweiflung eingeleckt hatte. Der Versuch, Artu sofort in eine neue Familie zu vermitteln, scheiterte leider komplett. So lieb der Hund insgesamt war, leider hat er eine Vorliebe für Fernbedienungen, aber auch Brillen, usw. (Es scheint so, als habe er den Wunsch nach mehr Durchblick und Information...). Wenn alles still ist, holt er sich solch einen Gegenstand (er findet die Fernbedienung zielsicher!) und bunkert ihn in seinem Körbchen. Dummerweise gibt er diese Sachen danach nicht mehr her und beißt sie zusätzlich auch kaputt, so dass man nicht einfach sagen kann, "lassen wir es ihm halt". Nein, er sitzt dann mit einem Gesicht neben dran, dass es scheint, als warte er nur auf die Szene, die mit so was gewöhnlich einsetzt... er kennt den "Reigen" genau und man kann die Sachen nicht nehmen. So kam Artu in die jetzige Pflegestelle (die inzwischen unglaublich! ordentlich alle Fernbedienungen in Schubladen verstaut ;-). Es ist viel besser geworden, aber hin und wieder schleppt er doch noch Sachen in seine "Burg". Mit verschiedenen Tricks bekommt man alles aber doch wieder! Vermutlich ist das ein Relikt aus seiner Ausbildungszeit als Jagdhund, der keiner sein wollte.

Übrigens am Rande: Bücher und Papiersachen nimmt er nicht :-).

Ansonsten ist Artu ein unglaublich angenehmer Hund. Er ist ruhig, kann alleine bleiben, kommt mit Hunden und Kindern zurecht (soll aber aufgrund seiner Vorgeschichte sicherheitshalber trotzdem nicht zu Kindern vermittelt werden - weil sie ihm eventuell etwas wegnehmen würden..), jagt bisher überhaupt nicht und lässt sich inzwischen auch nahezu perfekt in kritischen Situationen abrufen. Obwohl er schon 6 Jahre ist, spielt er sehr gerne. Er ist sehr intelligent und hat inzwischen viel gelernt. Clickertraining und auch Sucharbeit machen ihm, wie eigentlich fast allen Hunden, sehr viel Spaß. In diesen neu trainierten Situationen lässt er sich die Gegenstände auch problemlos abnehmen.

Das bisherige Leben ist nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Manchmal liegt eine tiefe Traurigkeit und Erschöpfung über dem Hund. Sie sind seltener geworden, diese Momente, doch sie sind nicht weg. Daher wird für den Hund ein Zuhause gesucht, wo Verständnis und Raum für diese Ruhe und Traurigkeit bleibt. Familien mit viel Trubel und Unruhe sind für Artu offensichtlich nicht geeignet. Wie sagt man: "Der Schreck sitzt ihm in den Knochen". Die Flexibilität, die er eigentlich in seinem Alter im Bewegungsapparat haben sollte, besitzt er nicht mehr. Morgens ist er manchmal ein bisschen steif und manchmal humpelt er auch ein wenig. Kein Hund, der viele Treppen laufen sollte und auch für Fahrradfahrten oder Joggingausflüge nicht geeignet ist. Am besten sind für ihn ruhige Ausflüge, wo er ruhig traben und zwischendurch mit anderen Hunden spielen kann. Ein wenig Training dazu und dieser Hund ist glücklich.

Ich hätte nie gedacht, dass es so schnell geht. Schon nach wenigen Tagen rief jemand aus Ulm an und am nächsten Tag trafen wir uns am Rasthof, um Artu umzuziehen. In der Familie leben noch 2 andere alte Hunde (der eine ist Stan vom TH Erlangen, der zusammen mit seinem Freund Ollie und einem Esel) nahe der Autobahn aufgefunden wurde. Der andere Hund ist eine 14jährige Hündin. Beide mögen Artu sehr sehr gerne und wir hoffen nun auf ein happy end für Artu.

Mir fehlt er schon... hätte ich ihn doch behalten sollen???? Der alte Konflikt Gefühl versus Vernunft... Ich war viele Stunden wandern heute und sah ihn in Gedanken mit Coffey und Lena rennen. Der Gedanke, dass er sich nun wieder verlassen fühlt und vermutlich wartet, bis Coffey vor der Türe steht, macht mich nicht richtig glücklich. Aber der Platz, wo er jetzt ist, hätte nicht besser sein können und so denke/hoffe ich, dass er sich bald eingelebt hat und nicht mehr zurück kommt. Allerdings: WENN er doch zurück käme - nur so als Gedanke :-) - dann täten wir uns wider alle Vernunft freuen...

Das ist sein neues Frauchen direkt bei der Übergabe:

 

Alles Glück wünschen wir dir, Artu!!!!